Emina Zečaj, Sejo Pitić, Nedžad Salković und Zehra Deović PDF Print E-mail

Die große Kunst der Sevdalinka  

 

 emina

(Bosnien und Herzegowina)
05. und 06. Mai 2009 

 

Emina Zečaj: Gesang
Dr.Mehmed Gribajčević: bosnische Saz
Zehra Deović: Gesang
Sejo Pitić: Gesang, Gitarre
Nedžad Salković: Gesang
Amir Softić: Akkordeon, Arrangements
Dragan Divjak: Keyboard
Mirsad Skokić: E-Gitarre
Mirsad Mešković: E-Bass

 

Organisation & Booking: Nataša Mirković De Ro 

 

Balkan Fever macht das Unmögliche möglich und vereint vier der letzten lebenden Größen der bosnischen Sevdalinka-Tradition zu einem gemeinsamen Konzert in Wien.

Sevdalinke (Einzahl: Sevdalinka oder kurz: Sevdah) sind meist Liebeslieder, in deren kunstvoller Melismatik stärker das osmanische Erbe weiterlebt als in anderen Liedtraditionen des Balkans. Oft erzählen sie auch von der mitunter tragischen Vergangenheit Bosniens, oft, nicht immer, sind sie Audruck urbaner Kultur, und zumeist zeichnet sich ihre Lyrik durch Bildhaftigkeit und Anspielungsreichtum aus. „Sevdah“ leitet sich vom Arabischen her, wo es so viel wie „schwarze Galle“ heißt, also nach den Vorstellungen der antiken Medizin schlicht Melancholie. Als osmanisches Lehnwort erlangte es vorrangig die Bedeutung von „Liebessehnsucht“. Sevdalinke sind kollektives Erbe aller konfessionellen und ethnischen Gruppen Bosniens.

Spricht man in Bosnien über Sevdah, dann schwelgt man in Erinnerungen an Himzo Polovina, Zaim Imamović, Nada Mamula, Safet Isović, Sejo Pitić, Zehra Deović, Nedžad Salković, Husein Kurtagić, Jovica Petković und viele andere – viele auch, die bereits gestorben oder zu krank sind, noch einmal die Bühne zu besteigen.

Von der „goldenen Zeit“ der Sevdah-Musik, die in eins fällt mit der Regierungszeit Titos, leben nur noch wenige ihrer Stars. Ihre legendären Interpretinnen und Interpreten haben über 40 Jahre Millionen von Zuschauern in der ganzen Welt begeistert.

Eine ausgesprochene Ehre ist es uns also, Emina Zečaj, Sejo Pitić, Nedžad Salković und Zehra Deović für ein gemeinsames Konzert in Wien gewonnen zu haben. Dieser „Bosnian Buena Vista Social Club“ wird viele Fliegen auf einen Schlag erwischen: Er wird das „bosnische Wien“ entzücken, er wird nostalgische Gefühle anstacheln und befriedigen, er wird zumindest auf kultureller Ebene ein gemeinsames Bosnien, wenn nicht sogar ein gemeinsames Jugoslawien wiedererstehen lassen, er wird die jüngere Generation sowie allgemein ein Wiener Publikum (ob nun ex-jugoslawisch, altösterreichisch oder orientalisch) von der zeitlosen Schönheit und Kraft der Sevdalinke überzeugen.


Emina Zečaj

Eine unschätzbar seltenes Juwel ist die hochbetagte Emina Zečaj aus Sarajevo, widmet sie sich doch der ältesten Form dieser Liedkunst, vor deren Modernisierungen seit Mitte des 20. Jahrhunderts also, und lässt sich somit auch nur von der Saz begleiten, jener Langhalslaute mit drei Doppelsaiten, welche diese Lieder direkt mit der osmanischen Vergangenheit Bosniens verbindet. Emina Zečaj war auch eine der ersten Frauen, die die einst männliche Domäne der Sevdah selbstbewusst ursupierten, sie ist  d i e  große Erzählerin der Sevdah-Tradition, war immer mehr an deren kulturellem Gehalt als am Musikbusiness interessiert und wurde dafür durch großes Interesse internationaler World-Music-Liebhaber an ihrer Darbietung belohnt, die trotz ihres hohen Alters noch immer – atemberaubend ist.Am Saz wird sie übrigens von Dr. Mehmed Gribajčević begleitet, der jahrelang Gesundheitsminister von Bosnien-Herzegowina war.

 

Sejo Pitić

Der aus Sarajevo stammende Sejo Pitić sieht sich in erster Linie als Musiker, dann erst als Sänger und Interpret. „Die Musik ist überall, ich möchte musizieren, nicht spielen. Und das Musikgeschäft mag ich auch nicht besonders; es ist eben allein die Musik, in der sich meine Seele wohl fühlt“, meint Sejo Pitić. Seine Bescheidenheit und Hingabe an diese Lieder hinderten ihn nicht an einer nunmehr 46-jährigen Karriere, die ihn von Sarajevo bis nach New York, Sidney, London und viele andere Metropolen der Welt führte. Seine Sevdah-Interpretation repräsentiert schön den Stil der Nachkriegszeit (1945–1992) in der Region Sarajevo.



Zehra Deović

Selten verlieh man das Prädikat „Diva“ gerechtfertigter als Zehra Deović aus Foča. Schon als junges Mädchen sang sie Sevdalinke und eroberte sehr früh die Herzen der Hörer und Seher aller Radio- und TV-Sender Jugoslawiens. Ihre fantastische Stimme und ihre aparte Erscheinung machten sie unsterblich und trugen ihr sogar Vergleiche mit Maria Callas ein. Zehra Deović räumte so ziemlich alle Preise im Musikgeschäft ab, die es im damaligen Jugoslawien zu vergeben gab. Zehra Deović hat auch mit fast 70 Jahren nichts von ihrer Strahlkraft und nuancenreichen, empathischen Liedinerpretation eingebüßt.



Nedžad Salković

Nicht nur in seiner Heimat Tuzla, sondern im gesamten damaligen Jugoslawien war Nedžad Salković einer der bedeutendsten Interpreten der Sevdah-Musik – und ist es auch heute noch. Seine Interpretationen sind lebendige Erzählungen, der Zuhörer bekommt das Gefühl, in einem Theaterstück zu sitzen. Auch mit fast 70 Jahren ist seine fantastische Stimme immer noch voller Energie und Leidenschaft.

  

 

Buchpräsentation: Husein Kurtagić

Einer der großen Stilbildner der Sevdah ist nicht mehr unter uns. Husein Kurtagić verstarb am ersten Tag dieses Jahres. Nicht nur als Interpret und Komponist machte er sich einen Namen, sondern auch als Förderer junger Musiker und Chronist seiner Zeit. Wir nehmen dies zum Anlass, sein letztes Buch „Muzika mog vremena“ (Musik meiner Zeit) zu präsentieren, das erst letzten Herbst in Sarajevo erschien. Der Erlös des Buchverkaufs geht an die Stiftung „Safet Isović“, die von Husein Kurtagić zur Pflege der Sevdalinkatradition ins Leben gerufen wurde.

 

Zusammengestellt und organisiert hat dieses Programm die bekannte, in Wien lebende Sängerin, Ethnomusikologin und Schauspielerin Nataša Mirković De Ro. 

 

 

05. und 06. Mai 2009 / 20 Uhr


PODIUM IM THEATER AKZENT
Theresianumgasse 18
1040 Wien
Tel.: (01) 501 65/33 06
Eintritt: € 20,–

http://www.akzent.at

 

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