ANATOL STEFANET & TRIGON

The King of Lautari

(Moldawien)

 

 

Anatol Stefanet Folk Orchestra:


Anatol Stefanet: Viola
Edgar Stefanet: Akkordeon
Andrei Prohnitchi: Pan-Flöte
Valeriu Boghean: Trompete, Kaval, Okarina
Ion Croitoru: Kontrabass
Sandu Sura: Zimbal
Gari Tverbohleb: Drums
Dorel Burlacu: Harmonika

 

Trigon:


Anatol Stefanet: Viola, Gesang
Dorel Burlacu: Keyboards, Piano, Harmonika
Valeriu Bogheanu: Saxophon, Trompete, Kaval, Flügelhorn, Querflöte, Hirtenflöten, Gesang
Gari Tverdohleb: Drums, Percussion, Xylophon

 

„Die Vielseitigkeit der Musik, die Trigon spielt, ist einzigartig. Die Kritiker werden lange darüber diskutieren, ob es nun Folk- oder Jazzmusik ist.“
                                                             Mikhail Alperin (Moscow Art Trio)

 

Ob man Moldawien zum Balkan zählt, ist Geschmackssache. Verwendet man den Begriff zur Abwertung eines Landes, sollte man überhaupt darauf verzichten. Ethnomusikalisch wäre die Klassifizierung halb korrekt. Vielmehr stellt die Musik Moldawiens einen interessanten Übergang von rumänischen zu ukrainischen Formen dar, mit bulgarischen, russischen und osmanischen Einflüssen (wie dem der türkischen Minderheit der Gargausen). Charakteristisch für dieses Land ist die Tradition der „Lautari“, der fahrenden Hochzeitsmusiker, wie sie von Emil Lotjanu in seinem Spielfilm „Lautari“ 1971 verewigt wurde.

Einer solchen Lautari-Familie entstammt der wohl wichtigste Botschafter moldawischer Folk- und Jazzmusik, Anatol Stefanet. Noch heute schwärmen die Leute vom Bogenstrich seines Großvaters Toader, der zu seiner Zeit einer der berühmtesten Lautari Nordmoldawiens war. Stefanet, seines Zeichens auch Direktor des Ethno-Jazz-Festivals in Chişinau, ist eine jener für ethnische Musikszenen unschätzbaren Integrationsfiguren, die vibrierende Volkstradition mit kosmopolitischem Jazz kurzschließen, dabei siegreich jeglichen Akademismus umschiffen, mit kompositorischem Einfallsreichtum und Phantasie keine oberflächlichen Hybride nach dem Schema F, sondern aufregende Kunst kreieren – und auf ihrem Instrument nie gehörte Virtuosität erreichen. Besser geht’s wohl nicht. Dabei bedient er sich interessanterweise der Viola/Bratsche, die bei den traditionellen Orchestern (namens „Taraf“) eher rhythmische Funktion innehatte. Er hingegen spielt sie als Melodie- und Soloinstrument, sowohl rhythmisch als auch harmonisch.

In der Sargfabrik wird Anatol Stefanet zuerst mit seinem Folk-Ensemble feurige moldawische Volkstradition auf höchstem spielerischem Niveau darbieten und dann mit seinem Quartett Trigon eine der interessantesten Ethno-Jazz-Projekte unserer Zeit vorstellen. Trigon heben die Unterschiede zwischen Melodie- und Rhythmusinstrumenten auf, lassen kammermusikalische Sentenzen in Free-Jazz implodieren und setzen immer wieder auf den archaischen Appeal traditioneller Formen rund ums Schwarze Meer. Besonders in Frankreich erregten Trigon seit ihrer CD „Wedding In Jazz“ großes Aufsehen.

Kein Wunder, dass Anatol Stefanet eine gemeinsame musikalische Sprache findet mit Leuten wie Enver Izmailov, Theodosii Spassov (mit Vlatko Stefanovski und Miroslav Tadić am 2. und 3. Mai im Birdland!) oder Okay Temiz, also in der „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ des zirkumpontischen Ethno-Jazz spielt.

 


Do., 27. April 2006
20 Uhr


SARGFABRIK


Goldschlaggasse 169
1140 Wien
Tel.: (01) 988 98 111
Eintritt: € 22,–
www.sargfabrik.at

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