Porgy & Bess
The Rat Pack of Balkan Jazz Accordion
P.Ralchev / S.Carstensen / M.Lubenov
(Bulgarien/Norwegen)

Peter Ralchev: Akkordeon

Stian Carstensen: Akkordeon

Martin Lubenov: Akkordeon
Das nie für möglich Gehaltene wird wahr! Die drei größten Virtuosen, Innovatoren und – Ironiker des Balkanakkordeons geben sich exklusiv für BALKAN FEVER ihr Stelldichein. Trotz unterschiedlicher künstlerischer Profile sind ihnen drei Eigenschaften gemein: Petar Ralchev, Stian Carstensen und Martin Lubenov haben jeder auf seine Weise bulgarische Akkordeonmusik zu einem international viel bestaunten Ethno-Jazz-Genre erhoben, und tun dies mit einer geradezu tony-curtis-roger-moore-haften Smartness und Leichtigkeit. Nicht nur sind sie die besten Techniker auf ihren Instrumenten– und zwar im unakademischsten Sinne, den man sich nur vorstellen kann –, sie bringen es gleichzeitig zuwege, die archaisch-pathetische Würde der rhythmisch komplexen südosteuropäischen Tradition zu respektieren und ihr trotzdem mit allen Kniffen der Jazzimprovisation die Bauerntracht aufzuschnüren.
Ein kurzer Steckbrief:
Petar Ralchev: the man who started it all. In der französischen Enzyklopädie “Geschichte des Akkordeons” sogar als wichtigster Akkordeonist unserer Zeit bezeichnet. Aus Thrakien gebürtig, trieb er die stilistischen und technischen Möglichkeiten des bulgarischen Akkordeons in ungeahnte Sphären, und steuerte diesem als erster eine charakteristisch verspielte Note bei (besonderer Einfluss auf Lubenov & Carstensen). Spielte natürlich mit Georgi Yanev (am 13. Mai im Porgy & Bess!) Papasov, Spassov, Vapirov etc. und ist einem österreichischen Publikum als Leader des Zig Zag Trios (& Ateshgan Yuseinov u. Stoyan Yankoulov) bekannt.
Martin Lubenov: Allroundgenie, hat sich in Wien angesiedelt – und setzt die Standards, die Ralchev für „weiße“ Musik gesetzt hat, für Zigeunermusik fort. Fast noch verspielter, unendlich weites Repertoire, von Buenos Aires bis Tiflis. Leader von Jazzta Prasta und des Martin Lubenov Orkestars. Bei BALKAN FEVER auch noch als Gast von Ljubinka Jokić und Otto Lechners Windhund Orchester zu sehen (7. Mai im Porgy & Bess!).
Stian Carstensen: Der Norweger treibt das von Ralchev und Lubenov erreichte bis zur Clownerie. Spielt auch Banjo, Gitarre und Tambura. Tobt sich mit seiner genialen Band Farmer’s Market (einen Tag später, Sonntag, 23.April, im Porgy & Bess!) aus. Trotz aller Spleen und Dekadenz der einzige westliche Balkan-Akkordeonist, der sowohl von den bulgarischen Ethno- und Jazzszenen vorbehaltlos anerkannt wird.
Ein Konzerterlebnis, das sich sicher nicht mehr aus dem Gedächtnis tilgen lässt: intensiv und sexy, die denkbar kompliziertesten Rhythmen, atemberaubendsten Melodieloopings und witzigsten Inprovisationsduelle ….
Samstag, 22. April 2006
20 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
Balkanische Nordlichter
Stian Carstensen & Farmer´s Market
(Norwegen/Bulgarien)

Stian Carstensen: Akkordeon, Gitarre, Banjo, Tambura
Trifon Trifonov: Saxophon, Klarinette
Finn Guttormsen: Kontrabass, E-Bass
Nils Olav Johansen: Gitarre, E-Gitarre, Gesang
Jarle Vespestad: Drums, Percussion
Balkan Musik hat seinen westlichsten Außenposten – in Norwegen, zugleich seinen originellsten und originalsten. Andere westliche Bands imitieren exotistisch, Farmer’s Market erfanden einen eigenen Stil und werden – übrigens – bereits in Bulgarien imitiert.
Mit Farmer’s Market hat BALKAN FEVER mit Sicherheit ihren
e x z e n t r i s c h s t e n Act zu Gast. Seit Anfang der 90er Jahre erschließen sie sich unter Leitung des Tausendsassas Stian Carstensen alle Facetten bulgarischer Musik, erfanden en passant das Genre Balkan-Jazz (das bei ihnen aber völlig anders klingt als bei den meisten Balkan-Jazz-Formationen) und schufen eine der witzigsten musikalischen Hybride überhaupt. Stian Carstensen, der von polnischen Immigranten abstammt, hat viele musikalische Welten erforscht – von Klassik über Heavy Metal, Modern Jazz und Appalachian Banjo zu traditioneller Musik und den sehr jazzigen Wedding-Music-Experimenten eines Ivo Papasov und Petar Ralchev. Trifon Trifonov, bulgarische Meister an Klarinette und Saxophon, stand ihm bei der Erfindung des Farmer’s Market-Sounds zur Seite.
In Bulgarien werden Farmer’s Market als ausgezeichnete Interpreten von traditioneller Musik und Balkan-Jazz anerkannt. Mit dieser Auszeichnung auf der Brust leisten sich Carstensen & Mannen das respektlose Vergnügen, Plünderzüge in alle mögliche Genres zu unternehmen: Musette, Tango, Heavy Metal, Bepop, Ragtime, Bossa Nova … und viele, viele mehr – ganz gleich, womit sie da jonglieren, immer durchzieht der durchaus seriös gemeinte Bezug zu bulgarischer Musik sowie pippi-langstrumpfhafter bodenloser Witz ihre Musik, was die unvergleichliche Farmer’s-Market-Signatur ergibt.
Sonntag, 23. April 2006
20 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
„Ajvar & Sterz“ – CD-Präsentation
Nataša Mirković - De Ro & Mathias Loibner
(Bosnien & Hercegovina/Steiermark)

Nataša Mirković-De Ro: Gesang
Mathias Loibner: Drehleier
Nataša Mirković-De Ro, Opern-, Jazz-, Rocksängerin, Schauspielerin und Ethnomusikologin aus Sarajevo, vielen bekannt als eine der drei Vokalistinnen des Sandy Lopičić Orkestars, hat in den letzten zwei Jahren, seit ihrer Übersiedlung von Graz nach Wien, eine erstaunliche Solokarriere angetreten – mit ungewöhnlichen Projekten, titanischem Eifer und umwerfender Bühnenpräsenz.
Nataša Mirković wurde in Zenica geboren und wuchs in Sarajevo auf – in unmittelbare Nähe einer Roma-Siedlung, was ihr auch von früh an einen reichen Schatz an Romaliedern bescherte. Mit sechs begann sie Klavier zu lernen und bereits während ihrer Mittelschulzeit arbeitete sie als Rundfunkmoderatorin, als Studiomusikerin bei diversen Jazz- und Rockproduktionen und war auch Mitglied bei etlichen Ensembles. 1989 begann sie an der Musikhochschule Sarajevo Musikwissenschaft zu studieren und spezialisierte sich auf Musikethnologie, im Rahmen derer sie Feldforschungen in ganz Bosnien unternahm. 1994 ging Nataša, die zwei Jahre die Belagerung Sarajevos miterleben musste, nach Graz, wo sie an der dortigen Musikhochschule klassischen Sologesang studierte. Seither meistert sie sich ihren Weg durch Oper, Operette, Musical, Theater, Pop, Jazz und Folk. Engagements an der Grazer Oper, am Schauspielhaus, der Kammeroper Graz und an der Volksoper Wien. Sie brillierte z. B. als Sheila in „Hair“, als Papagena in der „Zauberflöte“, als Sugar in Tom Waits „Black Rider“ oder etwa als Gräfin in „Wiener Blut“. Ihr Bühnendebüt gab sie als Julia in Sergej Dreznins Musical „Romeo & Juliet in Sarajevo“ (Ensemble Theater Wien, 1997). Natašas stärkstes Interesse gilt der Barockoper, der Zwölftonmusik und der traditionellen Musik.
Ihre Solokarriere startete Nataša in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ernst A. Binder mit dem Stück „Gypsy’s Lullabye“. In „Kassandra“ interpretierte sie ohne Instrumentalbegleitung Klagelieder des gesamten Balkanraumes. Eine einzigartige Performance, die wortwörtlich unter die Haut ging und sich dem kulturellen Gedächtnis dieses Landes eingeschrieben hat.
Bei diesen Projekten stand ihr stets Sandy-Lopičić-Orkestar-Kollege Mathias Loibner zur Seite, als Komponist, Arrangeur und Interpret.
Seine jüngste CD „Ajvar & Sterz“ wird das Duo im Rahmen von BALKAN FEVER präsentieren. „Sterz“ evoziert einen steirischen Lokalbezug, der Mathias Loibner bei weitem nicht gerecht wird. Der Mitbegründer der Gruppe Deishovida gilt europaweit als einer der innovativsten Interpreten auf der Drehleier, welche keinesfalls mit der Drehorgel verwechselt werden darf und seinem Spieler einiges an Können abverlangt. Bereits vor 15 Jahren war er bevorzugter Spielpartner des französischen Drehleieravantgardisten Valentin Clastrier. Loibner, der in Belgien und Österreich lebt, gilt auch als einer der führenden Interpreten von Barockmusik auf seinem Instrument (für das Komponisten wie Vivaldi und Haydn komponiert haben).
Dass es auf dem Balkan keine nennenswerte Drehleiertradition gibt (lediglich in Ungarn wurde die so genannte Tekerö gespielt), ist nicht weiter von Belang, schließlich spielt sie Loibner nicht traditionell, ebenso wenig traditionell interpretiert Nataša Mirković-De Ro ihre zumeist balkanischen Songs. Es ist nun das zweite Mal, dass sie gemeinsam auf der Bühne des Porgy & Bess stehen. Das erste Mal war vergangenen Dezember, als sie mit ihrer smarten und kraftvollen Performance den WORLD MUSIC FÖRDERPREIS gewannen.
Es darf ein beeindruckender Abend erwartet werden.
Dienstag, 25. April 2005
21 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
Balkan-Session
Geleitet von:
ALEXANDER & KOSTADIN WLADIGEROFF
(Bulgarien)

Die gewohnte Mittwochs-Jazz-Session nimmt das Festival BALKAN FEVER zur Gelegenheit, den besonders hohen Anteil an exzellenten und kreativen JazzmusikerInnen südosteuropäischer Herkunft in Österreich zu präsentieren, Musiker aus zwei parallelen Balkan-Universen, den Ländern Ex-Jugoslawiens und Bulgarien, finden immer öfter zu gemeinsamen Projekten zusammen.
Mittwoch, 26. April 2005
21 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 5,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
The Voice of Bregović
Vasilisa (Brankica Vasič)
(Serbien & Montenegro/Mazedonien/Libanon)

Brankica Vasić: Gesang
Vasil Hadžimanov: Klavier, Keyboards
Toni Kitanovski: E-Gitarre, Gitarre, Tambura
Dragan Banović: Akkordeon
Hustref Said: Kanun
Asan Rashid: Trompete
Mögliche Gäste:
Mitglieder des Orchesters Cherkezi
Bachar Khalife (Libanon): Percussion
Aleksandar Petrov (Mazedonien): Percussion
Nicht-westliche Songs in Serbien beschränken sich im Großen und Ganzen auf (zumeist unsäglichen) Folk-Pop, sentimentale volkstümliche Schlager und – seltener – wirklich traditionelle Musik (die außer von Zigeunern aber größtenteils in akademischen Zirkeln gepflegt wird). Brankica Vasić alias Vasilisa ist – neben Bjiljana Krstić – die wohl einzige Chanteuse ihres Landes, die bei ihrer Interpretation alter Lieder an popmusikalischer Verflachung und würdevoll-steifem Akademismus vorbeischiffte und trotzdem (oder vielleicht deshalb?) Starruhm erlangen konnte.
Sie war erste Vokalistin von Goran Bregovićs Ensemble, ihr Song „Dreams“ aus dem Soundtrack zu Emir Kusturicas „Arizona Dream“ hielt sich mehrere Monate an der Spitze der französischen Charts, sie lieh ihre Stimme auch Patrice Chéreaus Film „La Reine Margot“ und Predrag Antonijevićs Kriegsdrama „Saviour“ (produziert von Oliver Stone). Brankica Vasić war Mitglied von Sanja Iljićs Ensemble Balkanika und ist gefragte Vokalistin bei den wichtigsten serbischen Ethno- und Jazzbands.
Die traditionellen Songs des Südens sog sie mit der Muttermilch ein, verbrachte sie doch ihre Kindheit im Kosovo, dort wo die Lieder am traurigsten, tragischsten sind und bereits nördlicheren Regionen fremde orientalisch-byzantinische Melodien aufweisen. Bei BALKAN FEVER wird sie sich ausschließlich den Liedern Kosovos und Mazedoniens widmen, welche in gesamt Ex-Jugoslawien wegen ihrer Melodieschönheit und Grandesse geliebt werden. Dank ihrer Ausbildung in Klassik und Jazz weiß Vasilisa alias Brankica Vasić diesen Songs eine Modernität aufzuprägen, die deren Zeitlosigkeit sogar verstärkt.
Besonders zum Tragen kommt diese Qualität durch die Spitzenband, die sie bei ihrem Auftritt begleiten wird. Artistic Leader ist Toni Kitanovski, Mazedoniens erste Jazzgitarre. Am Klavier ihr Schwiegersohn Vasil Hadžimanov, mit seiner eigenen Band d a s Aushängeschild des jungen serbischen Jazz. Hustref Said ist einer der versiertesten Interpreten auf der orientalischen Zither Kanun und unterrichtet an der Universität von Skopje. Asen Rashid ist Mitglied der ungewöhnlichen Gypsy-Brass-Band Cherkezi aus Mazedonien, die von Toni Kitanovski „entdeckt“ wurde und mit ihm tags darauf ein Konzert in der Szene Wien bestreiten wird. Auch andere Musiker dieser Band dürfen als Gäste von Brankica Vasić erwartet werden, ebenso wie die in Paris lebenden Multiperkussionisten Bachar Khalife und Aleksandar Petrov.
Mit diesem erlesenen Ensemble wird das Liedgut also aus seinem engen nationalen Rahmen entführt und dort eingepflanzt, wo es immer hingehörte: in die fruchtbaren Grünzonen zwischen slawisch-byzantinischer und orientalischer Ästhetik, zwischen Archaik und kosmopolitischer Moderne.
Donnerstag, 4. Mai 2006
21 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
The Godmother of 2nd District
Ljubinka Jokić & Otto Lechners Windhund Orchester
(Bosnien & Hercegovina/Österreich/Kroatien/Serbien & Montenegro/Brasilien)

Ljubinka Jokić: Gesang, E-Gitarre
Otto Lechner: Klavier
Matthias Jakišić: Geige
Christoph Petschina: Kontrabass
João de Bruçó: Percussion, Drums
Peter Rosmanith: Percussion, Drums
Marko Marušić: Gitarre
Der Pomali-Grill auf dem Gaußplatz (Grenze 2./20. Bezirk) ist seit Jahren besonders in der warmen Jahreszeit ein beliebter Treffpunkt. Eine lauschige Grätzlstimmung unter schattigen Kastanienbäumen und bunten Glühbirnen sowie die mit Abstand besten Ćevapi jenseits des Donaukanals locken Besucher von Nah und Fern ins wilde Grenzgebiet zwischen 2. und 20. Hieb, wo noch keine Szene das Sagen hat, wo sich die Gentrifizierung noch nicht hingetraut hat, wo Serbokroatisch und Türkisch neben Wienerisch selbstverständliche Alltagssprachen sind, wo – mit einem Wort – noch soziale Realität vorherrscht.
Letzten Frühling staunten Pomalistammgäste nicht schlecht, als die toughe Wirtin Ljubinka Jokić die E-Gitarre umschnallte und mit Otto Lechner zu jammen begann. Und eine kraftvolle Jugo-Soul-Stimme offenbarte, die so klang, als hätte sich ein Weltstar in der Tarnung einer Ćevapi-Grillerin sieben Jahre vor der Mafia versteckt. Ihre Sessions mit Otto Lechner und Musikern seines Windhund-Orchesters, aber auch dem Geiger Matthias Jakišić und dem Gitarristen Marko Marušić waren binnen Monaten keine Geheimtipps mehr und der beschauliche Fleck auf dem Gaußplatz quoll über vor Fans.
Ljubinka Jokić wuchs in Banja Luka, Bosnien, auf. Obgleich das Gitarristen-Gen schon lange in ihrer Familie wucherte, steckte sie ihr Vater im Alter von 7 Jahren in eine Musikschule zum Akkordeonunterricht. Die kleine Ljubinka fühlte sich hinter dem Riesending mit den 120 Bässen nicht recht wohl, und die Sehnsucht nach der ersten E-Gitarre wuchs ins Unerträgliche. Viele Berufe eignete sie sich an: Veterinärassistentin, Maschinenbauerin, Antiquitätenrestauratorin und zuletzt Wirtin – aber ihre größte Liebe blieb der Rock ‚n’ Roll. Ehe sie 1992 nach Wien emigrierte, um dort am Schubert-Konservatorium zu studieren, hatte sie sich quer durch die Kneipen von Banja Luka gespielt, mit einem bunten Repertoire, in dem ganz oben ihre Vorbilder Josipa Lisac und Vlatko Stefanovski (mit Miroslav Tadić und Theodosii Spassov am 2. und 3. Mai im Birdland!) rangierten.
Im Porgy & Bess wird Ljubinka Jokić traditionelle Lieder, Roma-Chansons vom Balkan bis Russland, Jugo-Pop-Rock-Klassiker der 70er und 80er Jahre sowie Songs von Lisac, Stefanovski, Ljiljana Petrović (aka Buttler) und Šaban Bajramović mit unvergleichlicher Verve zum Besten geben, ihre Musiker werden für solides Jazz-Rock-Backing sorgen. Otto Lechner hat sich ausbedungen, am Klavier bleiben zu dürfen – und das Akkordeon einem anderen zu überlassen: Martin Lubenov
Sonntag, 7. Mai 2006
21 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
„Honey & Blood“ – CD-Präsentation
Nenad Vasilić Balkan Band
(Serbien & Montenegro/Kosova/Bulgarien/USA)

Nenad Vasilić: Kontrabass
Vladimir Karparov: Saxophon
Armend Xhaferi: Gitarre, E-Gitarre
John Hollenbeck: Drums
"There's a palpable sense of joy in the face of great sorrow, optimism despite a series of crushing defeats, and a real beauty that can be terrible and magnificent simultaneously."
Jazz Steps
Balkan Jazz ist ein junges Phänomen und nennt einige stolze Mütter und Väter sein Eigen. Tatsache ist jedoch, dass wir gerade der ersten Generation dabei zusehen, dieses musikhistorische Ereignis zur Welt zu bringen. Nenad Vasilić ist einer seiner jüngsten Väter.
1975 in Niš, Südserbien, geboren, durchlief der Komponist und Kontrabassist Nenad Vasilić die dortige Musikhochschule und absolvierte später das Jazzstudium an der Musikuniversität Graz. Auftritte mit Mark Murphy, Sheila Jordan, Steve Gut und vielen anderen „Namen“ des internationalen Jazz.
Jahrelang erforschte er akribisch die vielfältigen Traditionen seiner Heimat − serbische und mazedonische Lieder und Tänze, bosnische Liebeslieder (Sevdalinke), Musik der Roma und solche zeitgenössischer Singer/Songwriter wie der ebenfalls aus Niš stammenden Gypsy-Legende Šaban Bajramović. 1998 schließlich gründete er in Graz seine „Balkan Band“, mit der er selbstbewusst dem US-Kanon trotzte und einen unverwechselbaren Stil kreierte, der südosteuropäische Musik behutsam mit Jazz vermählt.
Sein unstillbares Interesse führte Nenad auch in bulgarische Bands wie Orfej und das Martin Lubenov Orkestar oder in die Wiener World-Institution Dobrek Bistro.
Mit seiner „Balkan Band“ indes schöpft Nenad immer tiefer aus dem Brunnen balkanischer Tradition und wagt sich stets weiter ins Neuland der adaptiven Möglichkeiten vor. Dabei experimentiert er auch mit Vierteltönen, südamerikanischen und orientalischen Rhythmen und Sounds und arbeitet unermüdlich daran, mit den Mitteln des Jazz noch weiter in den molekularen Kern des Balkan-Soul vorzudringen, wodurch sich vor allem sein sensibles Bassspiel auszeichnet − qualvoll schwermütig und fröhlich leger in einem Takt, ja in einem Ton.
Dominierte bei den ersten beiden Werken der „Balkan Band“ − „Folk Songs“ und „Joe Jack“ − eher ein melancholisches, nachdenkliches Temperament, so strotzt Nenad Vasilićs neue CD „Honey & Blood“ vor Optimismus und Lebensbejahung, gleicht einem sonnigen Morgen nach Jahren der wütenden Stürme und des rastlosen Suchens − kein Happy End, sondern ein hoffnungsvoller Schritt vorwärts in der Evolution des Balkan Jazz, den als kraft- und saftvolles Genre zwischen Euro- und Oriental Jazz zu etablieren Nenad Vasilić seinen unschätzbaren Beitrag leistet. Auf „Honey & Blood“ gastierten übrigens Martin Lubenov und der Kaval-Virtuose Nedyalko Nedyalkov – mit seiner Band IKADEM am 30. April im Porgy & Bess.
Hochkarätig auch sein Quartett, das nun besteht aus: dem in Berlin lebenden Saxophonisten Wladimir Karparov (Jazzta Prasta), dem kosovarischen Gitarristen Armend Xhaferi (am 6. Mai mit seiner Marimanga Group im Ost Klub!) und dem New Yorker Ausnahmedrummer, Klangmaler und Komponisten John Hollenbeck aus New York.
Freitag, 12. Mai 2006
21 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 512 88 11
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at
———————————————————————————————————————
The Ivo Papasov of Bulgarian Gypsy Violin
Georgi Yanev & Orpheus Orchestra
(Bulgarien)

Georgi Yanev: Violine
Pepa Yaneva: Gesang
Toncho Tonev: Akkordeon
Orlin Pamukov: Klarinette
Dimitar Stanev: Piano
Ventzislav Ivanov: Percussion
“He is an exceptional musician – a paragon for all folk music violinists.”
Peter Ralchev
“It is almost impossible to describe the music what I've heard from the Orpheus band. I can only give you an idea by making comparison. The Georgi Yanev violin is something in between the violins of Jean-Luc Ponty and Lakshminarayana Shankar, maybe because Bulgaria is somewhere in the middle of the way between France and India.”
Milen Panayotov
Als Georgi Yanev gemeinsam mit Peter Ralchev (am 22. April im Porgy & Bess!) 1978 an der Musikhochschule von Plovdiv das Orpheus Orchestra gründete, war das die Geburtsstunde einer einzigartigen musikalischen Entwicklung, die als „bulgarischer Sonderweg“ die Bewunderung der Welt auf sich ziehen sollte. Zunächst unterwanderten Yanev & Ralchev die standardisierte Staatsfolklore mit den damals verpönten und ungestümen improvisativen Ausbrüchen der zigeunerischen Wedding Bands und hantelten sich Stück für Stück in Richtung Jazz vor.
Georgi Yanev darf – analog zu Anatol Stefanet für Moldawien (am 27. April in der Sargfabrik) – als größter Virtuose und Innovator auf der bulgarischen Violine bezeichnet werden. Jazzphrasierungen sind nur Zutaten seiner Musik, die innerhalb des traditionellen Idioms experimentiert. Dennoch sind diese noch stärker vertreten als bei Ivo Papasov, mit dem Yanev oft verglichen wird, und so nimmt es nicht wunder, dass Yanev bei europäischen Jazz-Competitions einen Preis nach dem anderen gewinnt. Das hat freilich auch damit zu tun, dass bulgarische Musik ob ihrer komplexen Rhythmik und ihres dionysisch-improvisativen Charakters von westlichen Jazzintellektuellen schon als Jazz verstanden wurde, wenn sie noch ziemlich traditionell war. Ralchev, Spassov, Donchev, Yankoulov zeigten dann vor, was wirkliche Folk-Jazz-Fusion ist …
Georgi Yanevs musikalisches Epizentrum ist die flamboyante Gypsy-Tradition, aus der er als seltener Fall eines universitär gebildeten Musikers entstammt, darüber gelegt das bunte Seidentuch der reich ornamentierten thrakischen Tradition (besonders durch die Vokalmelismen seiner Frau Pepa Yaneva präsent), weiters türkische, rumänische und lateinamerikanische Einflüsse.
Mehr als das ist er auf seinem Instrument ein Erzähler, bei dem kein Satz dem anderen gleicht – kein Trickspieler, sondern höchste künstlerische Originalität, die seinen ikonengleichen Status in Bulgarien stets aufs Neue bestätigt.
Samstag, 13. Mai 2006
21 Uhr
PORGY & BESS
Riemergasse 11
1010 Wien
Tel.: (01) 503 70 09
Eintritt: € 15,–
www.porgy.at