Vlatko Stefanovski /Miroslav Tadić /Theodosii Spassov

Trio infernal

(Mazedonien/Serbien & Montenegro/Bulgarien)

 

 

 

 

„Von geradezu überirdischer Schönheit ist die Verbindung des Klangs zweier akustischer Gitarren und moderner Arrangements uralter mazedonischer Volkslieder in dem bizarren, aber gut klingenden Ambiente eines Monumentes, wie sie ihn der mazedonische Gitarrist Vlatko Stefanovski und der Exil-Jugoslawe Miroslav Tadic (…) zelebrieren.“
                                                                                M. Möhring in Jazzthetik

 

Zwei Konzertabende, die nicht nur wegen der Prominenz ihrer Musiker Höhepunkte des heurigen BALKAN-FEVER-Festivals sein werden. Das Amüsant-Paradoxe an diesen Auftritten liegt wohl darin, welch unterschiedliches Publikum sie anziehen werden: zuerst einmal drei unterschiedliche ethnische Communitys, unter den Ex-Jugoslawen viele Rockfans, unter den Bulgaren viele Jazzfans, Liebhaber akustischer Gitarrenkunst ebenso wie Afficionados subtiler World- und Jazzfusion.

In den 70er Jahren gründete der in 1957 in Prilep (Mazedonien) geborene Vlatko Stefanovski "Leb i Sol" (Brot und Salz), die sich zur – neben Goran Bregovićs "Bijelo Dugme" – populärsten Rockband Jugoslawiens mauserten und bereits damals nach britischem Vorbild mit Folk-Rock experimentierten. John McLoughlin gehörte ebenso zu ihren Fans wie Mark Knopfler, Joe Satriani oder Allan Holdsworth. Nach 13 Platten schlug Stefanovski Anfang der 90er Jahre eine spektakuläre Solokarriere ein. Sein Soundtrack zu dem Film "Reise zur Sonne" des türkischen Regisseurs Yesim Ustaoğlu wurde beim Berliner Filmfestival 1999 prämiert. Stefanovskis Kontakte zur türkischen Szene führten ihn auch mit dem Ausnahmegitarristen Erkan Oğur zusammen, mit dem er eine CD aufnahm. In Frankreich spielte er an der Seite des berühmten Balkan-Jazz-Pianisten Bojan Zulfikarpašić in dessen Band Koreni.

War er schon auf der E-Gitarre einer der wenigen wirklichen Künstler des Rock, so entpuppte er sich als ein formvollendeter akustischer Gitarrist, der in Professor Miroslav Tadić einen kongenialen Partner fand. Der in Belgrad gebürtige, aber in Los Angeles unterrichtende Tadić war in der Welt der akustischen Gitarrenmusik bereits ein Star, als er mit Stefanovski 1998 das stilbildende Album „Krushevo“ einspielte. Obgleich Spezialist für Barockmusik, ist Miroslav Tadić ebenso in Rock, Jazz und Blues zuhause. Künstler wie Placido Domingo, Terry Riley, Howard Levy, Markus Stockhausen, Maria João, David Torn und Jack Bruce können sich der Zusammenarbeit mit ihm rühmen.
Ihr gemeinsames Konzept, das bereits oft mit der Musik Paco de Lucias, John Renbourns und John McLaughlins verglichen wurde, verarbeitet traditionelle Themen von Serbien bis Anatolien (mit Zentrum Mazedonien–Bulgarien) zu feingliedrigen, melodieschönen Suiten voll improvisativer Eruptionen und natürlich technischer Finesse.

Klar, dass dieses Konzept früher oder später einen Gesinnungsverwandten anziehen würde: Stefanovski hatte mit Theodosii Spassov bereits in der All-Star-Band Balkan Horses zusammengearbeitet. Mit der CD „Treta Majka“ ergänzte sich das Duo Stefanovski/Tadić mit Spassov zu einem Trio. Theodosii Spassov ist jene geniehafte Mischung aus Innovator, Techniker, Entertainer, Kulturforscher, Volksmusiker und Avantgardist, welche ein Jahrhundert nur selten hervorbringt. Er begann die diatonisch gespielte Hirtenflöte Kaval systematisch zu chromatisieren, um sie für Jazz und symphonische Musik dialogfähig zu machen, und veränderte durch spezielle Ansatz- und Grifftechniken deren Timbre, sodass sie in Spassovs Mund auch wie ein Saxofon, eine Klarinette oder aber wie Zurna und Duduk (Schalmeieninstrumente) klingen konnte. Spassov gehört neben Ivo Papasov, Stoyan Yankoulov, Atheshgan Yuseinov, Georgi Yanev (am 13. Mai im Porgy & Bess) und Peter Ralchev (am 22. April im Porgy & Bess) zu jener ersten Garde der bulgarischen Ethno-Jazz-Größen, deren Spiel selten erreichte Standards setzte und von Jazz- und Klassikliebhabern rund um die Welt mit den gleichen Metaphern der „außerirdischen Herkunft“ belegt wird. Dass bereits die urtraditionelle Musik der Region den reichen Humus bildet für derlei technische Abenteuer, wird häufig übersehen.

 

Dienstag, 2. Mai, und Mittwoch, 3. Mai 2006
20 Uhr


JOE ZAWINUL’S BIRDLAND


Am Stadtpark 1 (Eingang Landstraßer Hauptstr. 2)
1030 Wien
Tel.: 0 664 849 31 44
Eintritt: € 20,– (Stehplatz)/€ 25,– (Sitzplatz)
http://www.birdland.at
www.vlatkostefanovski.com.mk

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