Konzept
Das erste und einzige Festival der Balkanmusik in Europa geht in sein drittes Jahr und ist zu einer Institution im Wiener Kulturleben geworden. Mit geringen finanziellen Mitteln (Website und wenige Plakate) haben wir das Festival letztes Jahr aufgezogen. Dass die Konzerte trotzdem ausgezeichnet besucht waren, beweist, dass es sich längst vom Geheimtipp zum Selbstträger gemausert hat.
Medienecho aus ganz Europa bestärkte uns in unserem Enthusiasmus.
Es war – wenn ich mich selbst zitieren darf – weit mehr als der Versuch, den ewig lange in der Warteschlange zum EU-Beitritt stehenden, aber mit WIEN auf vielen Ebenen verbundenen Regionen Südosteuropas eine kulturelle Repräsentanz zu verschaffen. Vielmehr wollten wir dem Klischee der exotischen Peripherie mit Kultur von Weltrang entgegentreten. Wien als eine der Musikhauptstädte Europas (speziell des Jazz) und als nördlichste Balkanmetropole schien wie kein anderer Ort dafür geeignet (Letzteres nicht allein wegen der Hunderttausenden „Gastarbeiter“ aus den Ländern Ex-Jugoslawiens, sondern auch der vielfältigen bürgerlichen und intellektuellen Diaspora).
Fernab von sozial- und kulturromantischen Projektionen, die sich gerne den "Wilden Südosten" als eine infantil-überdrehte und idyllisch-zurückgebliebene Kusturica-World imaginieren, möchten wir mit dem Festival ein anderes, repräsentativeres Bild vom Balkan vermitteln; als Ort ständiger kreativer Modernisierung; als Ort einer wohl einzigartigen Übertragung traditioneller Formen in Jazz; als Ort, wo völlig neue Hybride entstehen, wo Avantgarde sich durch die Kraft des Archaischen auflädt und das Archaische noch so jung und ungestüm ist, dass es gleich einige Entwicklungsstufen überspringt.
Das zunehmende Interesse an den Ländern des Balkans wurde durch die Kriege der 90er Jahre, aber auch durch Emir Kusturicas Filme und ihre bizarr-fröhlichen Gypsy-Soundtracks ausgelöst.
Mit Balkan Fever wollen wir ein breiteres Spektrum balkanischer Kultur präsentieren. Traditionelle Musik, wie wir sie bis dahin nicht gekannt haben, weiters die viel bewunderten Szenen des balkanischen Jazz und Ethno-Jazz, aber auch zeitgenössischen Undergroundrock und Dancefloor. Ein weiteres Anliegen ist uns, die historische (und stets neu aufgebaute) Barriere zum so genannten Orient niederzureißen, einmal mehr durch gemeinsame Projekte und länderübergreifendes Repertoire die kulturellen Kontinuitäten zwischen Balkan, Levante und Anatolien zu demonstrieren.
Die Grenzen zwischen den Konstrukten Orient und Okzident sind fließend. Dabei ist für uns nicht von Belang, wo Europa aufhört oder anfängt. Wichtiger ist uns, wo eine lebenswerte Welt beginnt. Das Festival Balkan Fever ist ein wichtiger Beitrag zur positiven Beantwortung dieser Frage.
Balkan Fever 2005 zeigte uns kraftvoll, wie Integration sein Schlagwortdasein aufgibt und sich Hände und Füße wachsen lässt. Ein österreichisches und balkanisches Publikum verschmolzen bei den Konzerten zur unauflösbaren Einheit. Menschen mittlerweile getrennter postjugoslawischer Länder fanden in ausgelassener Partystimmung zueinander, ex-jugoslawische Bürger schnupperten neugierig im bulgarischen, griechischen oder türkischen Kosmos herum und umgekehrt.
AUSBLICK
Never change a winning concept, never change a winning team.
Die Spielstätten blieben gleich (Szene Wien, Porgy & Bess, Birdland, Sargfabrik, Ost Klub), und wurden durch das Flex erweitert.
Und unser Dreier-Team (Norbert Ehrlich, Gaby Müller-Klomfar und ich) hat in Joro Dermendjiev, der schon voriges Jahr ungenanntes Mädchen für alles war, einen eifrigen und erfahrenen Mitarbeiter bekommen.
Die Bands des heurigen BALKAN FEVER-Festivals werden einmal mehr ein breites stilistisches Spektrum abdecken und aus folgenden Ländern kommen: Österreich, Norwegen (!), Kroatien, Serbien & Montenegro, Bosnien & Hercegovina, Rumänien, Moldawien, Mazedonien, Bulgarien, Kosovo, dem Libanon, Griechenland und der Türkei.