Joe Zawinul’s Birdland

Kroatischer Clubbing-Schamanismus!

KRIES 

(Kroatien)

Mojmir Novaković: Gesang
Ivo Letunić: Lijerica, Bassgitarre
Krešimir Oreški: Percussion
Andor Vegh: Dudelsack, Flöten
Davor Batisweiler: DJ


“Mojmir Novaković i Kries have a rare gift of getting deep into the essence of (traditional) songs. Their concerts are passionate rituals in which even people with less imagination can easily travel through the space and time.”
                                                                            Denis Derk (Večernji list)

 

 

Bereits mit seiner Band Legen hat Mojmir Novaković einen archaischen kroatischen Clubbing-Folk erschaffen und diesen mit elektronischen Beats und Ambient-Klangflächen durchwirkt, also das besonders Alte mit dem ganz Neuen vermählt, und somit der biederen Trachtenpflege der kroatischen Folklore ein Schnippchen geschlagen. Diese Mischung erwies sich als Renner in den europäischen Clubs, mit ihrem dionysischen Song „Zumba“ landeten sie einen Hit.

Seit 2002 ruht Legen, Novaković ist seiner Vision eines „urkroatisch-frühmittelalterlichen Schamanen-Dancefloor“ mit seinem neuen Ensemble Kries noch ein Stückchen näher gekommen. Etwas erinnern die magisch-rituellen Archaismen an skandinavische Bands wie Hedningarna oder Hoven Droven. Andor Vegh spielt die Duda, die pannonische Variante der fünf in Kroatien gebräuchlichen Dudelsacktypen, Ivo Letunić spielt die dreisaitige Kniegeige Lijerica, wie sie nur noch in der Gegend um Dubrovnik vorkommt – und in den hercegovinischen und montenegrinischen Gusle ihre Fortsetzung findet (eine weitschichtige Verwandte der bulgarischen Gadulka also) und Mojmir Novaković schlägt die Basstrommel Bubanj (vom Typus Tupan/Davul) und singt mit rauer Intensität. Angeheizt werden diese intensiven Sounds von Ethnopercussion und elektronischen Beats.

Novaković ist ein gewissenhafter Musikforscher und Ethnomusikologe, seine Experimente sind also nicht Pseudo-World-Dekor. Er ist Präsident der Ethnosektion der Kroatischen Musikervereinigung, Gründer des Ethnoambient Festivals in den antiken Ruinen von Salona bei Split. Mit dem Ensemble Ethnoambient kümmert er sich um die Tradierung alter kroatischer Musik.
Dennoch eignen sich Kries nicht zur Befestigung von Nationalismus. Sie verstehen sich als Band mit universalistischem Anspruch, die noch dazu Pfade in Zeiten zurückgeht, wo die ethnischen Identitäten zwischen Venedig, Istrien, Dalmatien, Pannonien und Bosnien fließender waren als heute. Der Bandname KRIES ist ein altkroatisches Wort für „Freudenfeuer“ und beschwört die Riten alt- und vorslawischer Kultur. Zwei Charakteren der slawischen Mythologie, „Ivo und Mara“, ist auch ihre erste gleichnamige CD gewidmet. Weiters aufhorchen ließen Kries durch ihren Soundtrack zu Branko Ivandas Film „Konjanik“ (Der Reiter), der die unmögliche Liebe zwischen einem christlichen Kavalleristen und einer Muslimin an der Osmanisch-Habsburger Grenze im 18. Jahrhundert zum Inhalt hat.

 

 

Samstag, 29. April 2006
20 Uhr


JOE ZAWINUL’S BIRDLAND


Am Stadtpark 1 (Eingang Landstraßer Hauptstr. 2)
1030 Wien
Tel.: 0 664 849 31 44
Eintritt: € 20,–
http://www.birdland.at
www.kries.info

 

———————————————————————————————————————

 

Trio infernal

Vlatko Stefanovski / Miroslav Tadić / Theodosii Spassov 

(Mazedonien/Serbien & Montenegro/Bulgarien)

 

 

 

 

„Von geradezu überirdischer Schönheit ist die Verbindung des Klangs zweier akustischer Gitarren und moderner Arrangements uralter mazedonischer Volkslieder in dem bizarren, aber gut klingenden Ambiente eines Monumentes, wie sie ihn der mazedonische Gitarrist Vlatko Stefanovski und der Exil-Jugoslawe Miroslav Tadic (…) zelebrieren.“
                                                                                M. Möhring in Jazzthetik

 

Zwei Konzertabende, die nicht nur wegen der Prominenz ihrer Musiker Höhepunkte des heurigen BALKAN-FEVER-Festivals sein werden. Das Amüsant-Paradoxe an diesen Auftritten liegt wohl darin, welch unterschiedliches Publikum sie anziehen werden: zuerst einmal drei unterschiedliche ethnische Communitys, unter den Ex-Jugoslawen viele Rockfans, unter den Bulgaren viele Jazzfans, Liebhaber akustischer Gitarrenkunst ebenso wie Afficionados subtiler World- und Jazzfusion.

In den 70er Jahren gründete der in 1957 in Prilep (Mazedonien) geborene Vlatko Stefanovski "Leb i Sol" (Brot und Salz), die sich zur – neben Goran Bregovićs "Bijelo Dugme" – populärsten Rockband Jugoslawiens mauserten und bereits damals nach britischem Vorbild mit Folk-Rock experimentierten. John McLoughlin gehörte ebenso zu ihren Fans wie Mark Knopfler, Joe Satriani oder Allan Holdsworth. Nach 13 Platten schlug Stefanovski Anfang der 90er Jahre eine spektakuläre Solokarriere ein. Sein Soundtrack zu dem Film "Reise zur Sonne" des türkischen Regisseurs Yesim Ustaoğlu wurde beim Berliner Filmfestival 1999 prämiert. Stefanovskis Kontakte zur türkischen Szene führten ihn auch mit dem Ausnahmegitarristen Erkan Oğur zusammen, mit dem er eine CD aufnahm. In Frankreich spielte er an der Seite des berühmten Balkan-Jazz-Pianisten Bojan Zulfikarpašić in dessen Band Koreni.

War er schon auf der E-Gitarre einer der wenigen wirklichen Künstler des Rock, so entpuppte er sich als ein formvollendeter akustischer Gitarrist, der in Professor Miroslav Tadić einen kongenialen Partner fand. Der in Belgrad gebürtige, aber in Los Angeles unterrichtende Tadić war in der Welt der akustischen Gitarrenmusik bereits ein Star, als er mit Stefanovski 1998 das stilbildende Album „Krushevo“ einspielte. Obgleich Spezialist für Barockmusik, ist Miroslav Tadić ebenso in Rock, Jazz und Blues zuhause. Künstler wie Placido Domingo, Terry Riley, Howard Levy, Markus Stockhausen, Maria João, David Torn und Jack Bruce können sich der Zusammenarbeit mit ihm rühmen.
Ihr gemeinsames Konzept, das bereits oft mit der Musik Paco de Lucias, John Renbourns und John McLaughlins verglichen wurde, verarbeitet traditionelle Themen von Serbien bis Anatolien (mit Zentrum Mazedonien–Bulgarien) zu feingliedrigen, melodieschönen Suiten voll improvisativer Eruptionen und natürlich technischer Finesse.

Klar, dass dieses Konzept früher oder später einen Gesinnungsverwandten anziehen würde: Stefanovski hatte mit Theodosii Spassov bereits in der All-Star-Band Balkan Horses zusammengearbeitet. Mit der CD „Treta Majka“ ergänzte sich das Duo Stefanovski/Tadić mit Spassov zu einem Trio. Theodosii Spassov ist jene geniehafte Mischung aus Innovator, Techniker, Entertainer, Kulturforscher, Volksmusiker und Avantgardist, welche ein Jahrhundert nur selten hervorbringt. Er begann die diatonisch gespielte Hirtenflöte Kaval systematisch zu chromatisieren, um sie für Jazz und symphonische Musik dialogfähig zu machen, und veränderte durch spezielle Ansatz- und Grifftechniken deren Timbre, sodass sie in Spassovs Mund auch wie ein Saxofon, eine Klarinette oder aber wie Zurna und Duduk (Schalmeieninstrumente) klingen konnte. Spassov gehört neben Ivo Papasov, Stoyan Yankoulov, Atheshgan Yuseinov, Georgi Yanev (am 13. Mai im Porgy & Bess) und Peter Ralchev (am 22. April im Porgy & Bess) zu jener ersten Garde der bulgarischen Ethno-Jazz-Größen, deren Spiel selten erreichte Standards setzte und von Jazz- und Klassikliebhabern rund um die Welt mit den gleichen Metaphern der „außerirdischen Herkunft“ belegt wird. Dass bereits die urtraditionelle Musik der Region den reichen Humus bildet für derlei technische Abenteuer, wird häufig übersehen.

 

Dienstag, 2. Mai, und Mittwoch, 3. Mai 2006
20 Uhr


JOE ZAWINUL’S BIRDLAND


Am Stadtpark 1 (Eingang Landstraßer Hauptstr. 2)
1030 Wien
Tel.: 0 664 849 31 44
Eintritt: € 20,– (Stehplatz)/€ 25,– (Sitzplatz)
http://www.birdland.at
www.vlatkostefanovski.com.mk

 

———————————————————————————————————————

 

Pioniere des Neo-Rebetiko

Lakis & Achwach 

(Griechenland/Türkei/Österreich/Deutschland/Liechtenstein)

 

 

Lakis Jordanopoulos: Gesang, Gitarre
Antonis Vounelakos: Klassische Gitarre, Midigitarre
Hakan Gürses: Gesang, Oud, Gitarre, Querflöte
Hartmut Kamm: E-Gitarre
Manfred Balacz: Saxophon, Flöte
Herwig Thöny: Bass, Frettless- und Kontrabass
Yıldırim Fakilar: Percussion
Jusuf Topcu: Drums

 

 

 

"Die am Meeresgrunde sind, haben keine Angst mehr davor, nass zu werden. Sie trinken Salzwasser, Wasser des Mittelmeeres (…) Wer hat keine Angst, verbrannt zu werden? Der Verbrannte?"

                                                   Lakis Jordanipoulos, aus „Piratés“

 

Vielen hier zu Lande ist Lakis Jordanopoulos als Moderator des Fernsehmagazins "Heimat, fremde Heimat" sowie als Interviewer der gleichnamigen Radiosendung auf Radio Wien ein Begriff. Doch bereits Mitte der 80er Jahre schrieb er mit seiner Band Lakis & Achwach österreichische World-Music-Geschichte. Behutsam hat er bei seinem Publikum kulturelle Urlaubsklischees gegen das Bewusstsein einer eigenständigen, modernen griechischen Musik ausgetauscht. Und diese auch gleich von Anfang an in einen "levantinischen" Bezugsrahmen gesetzt, der sie ja entstammt. Zu einer Zeit also, als World-Music noch Folk hieß und um die Länder, aus denen die Gastarbeiter kamen, einen Bogen machte und den Orient (wegen seines Sinngebungspotenzials) erst in Indien anfangen ließ, waren Slavko Ninić und Lakis Jordanopoulos Pioniere eines Trends, von dem unser Festival lebt und dem unser Festivals neues Leben, neue Richtungen gibt.

Jordanopoulos taufte seine Musik "Neo-Rebetiko". Damit maßte er sich freilich nicht an, den oft als "Blues der Griechen" titulierten Rebetiko wiedererfunden zu haben – eine breite Renaissance des Rebetiko hatte es in Griechenland schon in den 70er Jahren gegeben –, sondern wies das österreichische Publikum auf eine soziale, politische und kulturelle Genealogie hin, die diesem bis dahin fremd war. Rebetiko – zur Erinnerung – ist die Musik der Subkulturen Athens, Salonikis, Istanbuls und Smyrnas (heute Izmir), die vor allem nach der Vertreibung der kleinasiatischen Griechen durch Kemal Atatürk im Jahre 1922 in den Slums der griechischen Städte gedieh und der nationalen Selbstinszenierung nicht so recht in den Kram passte.

 

 

 

Mittwoch, 10. Mai 2006
20 Uhr


JOE ZAWINUL’S BIRDLAND


Am Stadtpark 1 (Eingang Landstraßer Hauptstr. 2)
1030 Wien
Tel.: 0 664 849 31 44
Eintritt: € 18,–
http://www.birdland.at
www.lakis-achwach.com

 

.

.